Selbsteinschätzung – Tendenzen der Geschlechter

Zusammenfassung:
– Mädchen neigen dazu, ihre Leistung zu unterschätzen (Minderwertigkeitskomplex)
– Jungen schätzen ihre Leistung im Schnitt höher ein, als sie tatsächlich ist 
– Erfahrung führt nicht zu einer Annäherung der Selbsteinschätzung an die Realität

Themenüberblick:
Untersuchungsergebnisse im Überblick
Konsequenzen

Untersuchungsergebnisse im Überblick

Cronin, 1980 (nach Bischof-Köhler 2006) und Team haben in einem Chicago Buchstabierwettbewerb von 10-Jährigen das Meldeverhalten der Kinder beobachtet. Anzumerken ist, dass Mädchen im Schnitt einen Vorsprung auf dem verbalen Sektor haben und man von ihnen die bessere Leistung erwarten konnte. Nun beobachtete das Team Folgendes:

GeschlechtGeschlecht Gegner/inMeldeverhalten
MädchenMädchennur, wenn sie weiß, dass sie besser ist
JungeJungeimmer / selbst nachdem er ausgelacht wurde
MädchenJungenie

Jungen meldeten sich immer, unabhängig vom Gegner und sogar unabhängig davon, ob sie die Antwort kannten. Mädchen meldeten sich nie gegen Jungen und gegen andere Mädchen nur, wenn sie wussten, dass sie besser waren. Wenn Mädchen gegen Jungen spielten, machten sie nur dann Punkte, wenn der Junge eine falsche Antwort gab. Danach wurde dem Mädchen nämlich eine Chance gegeben, die richtige Antwort zu sagen.

Die Studie zeigte einen Geschlechtsunterschied in der Einstellung zur eigenen Leistungsfähigkeit. Besonders interessant ist, dass sich Mädchen gegen andere Mädchen gemeldet haben, gegen Jungs aber gar nicht. Die Studie ist kein Einzelfall. Viele weitere Studien zeigten ähnliche Effekte und es gilt als erwiesen, dass Jungen dazu neigen, sich zu überschätzen, während Mädchen ihre eigene Leistung unterschätzen. Selbst in Bereichen, in denen Mädchen tatsächlich stärker sind, trauen sie sich wenig zu.

In einem Test von Brosnan 1998 (nach Bischof-Köhler 2006) absolvierten Teilnehmer einen räumlich-visuellen Leistungstest. Einer Hälfte der Gruppe wurde der Test als „Empathietest“ vorgestellt. Mädchen der zweiten Gruppen schnitten besser ab als Mädchen der ersten Gruppe. Der Begriff “räumlich-visueller Leistungstest” führte zu einer schlechteren Leistung bei Mädchen. Bei diesem Effekt sprechen wir von einem Minderwertigkeitskomplex. Bei den Jungen führte die Bezeichnung hingegen zu keinem Unterschied in der Leistung.

Konsequenzen

Individuelle Folgen 

Individuell kann Selbstüberschätzung fatale Konsequenzen haben, beispielsweise im Straßenverkehr oder im Sport. 80 Prozent der Todesfälle wegen Ertrinken waren Jungen und Männer. Viele davon überschätzten sich1. Wenn eine Person der felsenfesten Überzeugung ist, etwas zu können, ist sie verbal nicht davon abzuhalten. Auf der anderen Seite strahlen selbstbewusste Personen die Sicherheit, mit der sie an sich selbst glauben über Körpersprache, Mimik, Ton und Sprache aus, wie Charisma Expertin Olivia Fox Cabane „The Charisma Myth“ weiß. Andere Menschen lesen diese Zeichen und glauben, dass sie einen validen Ursprung – tatsächliche Kompetenz – haben.

Fehlendes Selbstvertrauen führt dazu, dass die Person weniger ausprobiert und verpasst somit Situationen, die Lernerfahrung bieten. Die fehlende Erfahrung und Übung kann dazu führen, dass sie am Ende tatsächlich weniger gut sind als andere. Man spricht dann von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Das Umfeld übernimmt die Selbsteinschätzung der Person und spielt es an sie zurück, sodass es dann als Verstärker wird.

Wir sehen, dass es sich bei der Selbsteinschätzung um um Kreisläufe handelt. Umso wichtiger ist die parentale Aufgabe, Kindern zu einem gesunden Selbstwert zu verhelfen.

Wirtschaftliche Folgen

Wirtschaftlich führt Selbstüberschätzung zu Börsencrashes und Insolvenzen2. Kommen wir zurück zu dem Bewerber, der sich selbst überschätzt und sich entsprechend im Gespräch verkauft. Inwieweit der Arbeitgeber die übertriebene Selbstdarstellung glaubt, hängt von seinem Fachwissen sowie seiner Menschenkenntnis ab. Wenn der Arbeitgeber dem Scheinbild glauben schenkt, wird er dem Kandidaten sogar weitere positive Eigenschaften zuschreiben. Das nennt man den Halo-Effekt. Der erste positive Eindruck vom Bewerber bewirkt, dass man ihm „einen Heiligenschein aufsetzt“ und einfach weitere positive Eigenschaften mit andichtet. Er wird dann solange an die Qualifikationen des Kandidaten glauben, bis die Realität ihn eines Besseren belehrt. Oft bekommt der Kandidat, der unverdient in eine Position gerutscht ist, Förderung in der Hoffnung, sich die Position nachträglich zu verdienen. Schützen kann sich der Arbeitgeber, indem er vorher klare Kriterien festlegt, die für die Stelle wichtig sind und sich überlegen, wie er diese am Kandidaten testen kann.

Wenn ein solcher Effekt nun in Masse auftritt, führt das zu Unternehmenshierarchien und Machtverteilungen, die nicht an Kompetenz geknüpft ist. Zudem wissen wir, dass die Selbstüberschätzung vornehmlich im männlichen Geschlecht verankert ist, sodass hohe Positionen im Ungleichgewicht zugunsten des männlichen Geschlechts verteilt werden. Dazu kommt, dass Selbstunterschätzung parallel den gegenteiligen Kreislauf auslöst und den Effekt zusätzlich verstärkt.


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Quellen:

  1. spiegel.de, Abruf 18.02.2020
  2. morgenpost.de Abruf 9.7.2019
  3. Crandall, 1969

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