Kausalattribution von Erfolg und Misserfolg

Zusammenfassung:
-> Tendenz Mädchen: Erfolg äußere Umständen, Misserfolg Eigenschuld
– möglicher Grund: Weibchen in der Pflege mussten schnell aus Fehlern lernen
-> Tendenz Jungen: Erfolg Selbstverdienst; Misserfolg äußere Umstände
– möglicher Grund: nach misslungenem Fortpflanzungsversuch nicht irritieren lassen

Themenüberblick:
Internale & externale Kausalattribution
Tendenzen der Geschlechter
Folgen
Evolutiv Erklärungsansätze
Kausalattribution führt zu Stereotypen

Kausalattribution in Unternehmen

Internale & externale Kausalattribution

Wenn wir begreifen, welche Ursachen zu welchen Ergebnissen führen, können wir Ereignisse vorhersagen und sogar beeinflussen. Kausale Zusammenhänge zu verstehen, ist überlebenswichtig. Wenn in unserem Leben ein Ereignis auftritt, klären wir als erstes, ob wir selbst die Ursache sind (internale Kausalattribution) oder eine äußere Quelle (externale Kausalattribution).

Art der KausalattributionAngenommener Grund für Ereignis
internaldas eigene Handeln
externaläußere Umständen

Tendenzen der Geschlechter

Nicholls 19751¹ testete Zehnjährige im Hinblick auf ihren Umgang mit Erfolg und Misserfolg und stellten fest, dass Mädchen und Jungen eigene Erfolge und Misserfolge unterschiedlich bewerteten.

Jungen schrieben Erfolg ihren eigenen Fähigkeiten zu (internale Attribution von Erfolg), während sie Misserfolg leugneten oder Schuld in den Umständen sahen; “Das war halt Pech”, “Der Lehrer war schlecht” (externale Attribution von Misserfolg). Bei Mädchen ist das Ganze nun umgekehrt. Sie reagieren betroffener auf Tadel und schreiben Misserfolge ihrem eigenen Versagen zu (internale Attribution von Misserfolg). Erfolg hingegen bezeichnen sie als “Glück” und ordnen ihn anderen externen Umständen zu (externale Attribution von Erfolg).


Erfolg

Misserfolg

Mädchen

extern

intern

Jungen

intern

extern

Folgen

Diese unterschiedliche Attribution von (Miss)Erfolg der Geschlechter hat weitreichende Konsequenzen.

Jungen haben eine angeborene Tendenz, ihre eigene Leistung zu überschätzen und bei Erfolgen, jedoch nicht Misserfolgen, ihre eigene Leistung ursächlich zu sehen. Die Selbstüberschätzung wird dadurch zusätzlich unterfüttert, nicht korrigiert. Wenn ich mein Verhalten nicht als ursächlich für Misserfolg sehe, verpasse ich die Chance, mein Verhalten zu verbessern und zu lernen.

Die weibliche Tendenz zur externalen Attribution von Erfolg führt hingegen zu einem Gefühl der Ohnmacht, als könne man nichts bewirken und eine internale Attribution von Misserfolg macht solche zu äußerst unangenehmen Erlebnissen. Infolgedessen entwickeln Mädchen verstärkt Angst vor Misserfolg. Um sich gar nicht erst in unangenehme Situationen zu bringen, nehmen sie ihr Anspruchsniveau an sich selbst zurück und korrigieren beispielsweise in Bewerbungsgesprächen die Erwartungen an ihre Leistung nach unten. Noch schlimmer ist, dass sie aus Angst vor Misserfolg viele Sachen gar nicht erst ausprobiert. Durch die ausbleibende Erfahrung und Übung verpassen sie dann tatsächlich die Möglichkeit, Können aufzubauen.

Kreislauf einer internalen Attribution von Misserfolg
Kreislauf einer internalen Attribution von Misserfolg

Evolutive Erklärungsansätze

Evolutiv ließen sich die angeborenen Tendenzen der Geschlechter in ihrer Kausalattribution von Erfolg und Misserfolg folgendermaßen erklären: Im Leben der Weibchen nahm die Brutpflege eine definierende Rolle ein. Fehler reduzierten das die Überlebenswahrscheinlichkeit der Nachkommen, beispielsweise die Gabe einer giftigen Frucht. Das Weibchen musste schnell ihr Verhalten der Nahrungsgabe als Ursache für die Symptome erkennen (internale Attribution von Misserfolg). Umso unangenehmer sie diese Erfahrung empfand, desto unwahrscheinlicher würde sie den Fehler wiederholen. Eine erfolgreiche Aufzucht von Nachkommen ist eine sehr langwierige Aufgabe. Welche konkrete Ursachen würde man einem erfolgreichen Ergebnis zugrunde stellen? Es liegt nahe, keine direkten Maßnahmen (“Meine geile Pflegeleistung hatte Erfolg”), sondern langfristige, äußere Umstände, wie “Zum Glück gab es genug Nahrung” oder “Zum Glück gab es die ganze Zeit keine Naturkatastrophen“ als ursächlich zu sehen (externale Attribution von Erfolg).

Für Männchen, könnte man argumentieren, schlug bereits der Akt der Fortpflanzung als Erfolg zu Buche. Dieser ist leicht auf die eigenen Fähigkeiten der Werbestrategie zurückführen (internale Attribution von Erfolg). Erfolglose Werbeversuche waren die großen Misserfolge. Wer sich schnell entmutigen ließ und seine Attraktivität in Frage stellte, vergeudete weitere Fortpflanzungschancen. Nur Männchen, welche sich von einem Misserfolg nicht beeindrucken ließen oder sich schnell erholten, nutzten ihr gesamtes Potenzial. Daraus können wir schließen, dass auf Männchen, die abgelehnt wurden, ein Selektionsdruck zur externalen Attribution von Misserfolg bestand. Es lassen sich zudem einfach äußere Gründe für Ablehnungen finden, wie “Vielleicht war dem Weibchen die Situation nicht sicher genug” oder “Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt”.

Das sind Erklärungsansätze aus evolutiver Sicht zu den beobachtbaren Tendenzen in den Geschlechtern. Es können genauso gut völlig andere Faktoren zu dieser Entwicklung geführt haben.

Kausalattribution führt zu Stereotypen

Die besprochenen Effekte der Kausalattribution, Über- und Unterschätzung prägen nicht nur die Selbsteinschätzung, sondern auch das generelle Bild auf die Geschlechter. Sie prägen nicht nur direkt das Selbstbild von Kindern, sondern wirken zusätzlich als soziale Erwartung.

Befragungen zeigen, dass beide Geschlechter Fähigkeiten von Frauen niedriger einschätzen. In einem Experiment sahen Teilnehmer Videos von Männern und Frauen, die “typisch männliche” oder “typisch weibliche” Tätigkeiten erfolgreich durchführten. Teilnehmer wurden daraufhin gebeten, ihre Einschätzung abzugeben, ob jemand Glück hatte (externale Attribution) oder Können demonstrierte (internale Attribution). Das sind die Ergebnisse:

Geschlecht SubjektStereotyp TätigkeitAttribution Testpersonen
Mannmännliche TätigkeitFähigkeit
Fraumännliche TätigkeitGlück
Mannweibliche TätigkeitFähigkeit
Frauweibliche TätigkeitFähigkeit

Männern unterstellten die Testpersonen immer Können (internale Attribution von Erfolg). Bei Frauen glaubten sie, dass Erfolge in “typisch weiblichen” Tätigkeiten Können zugrunde lag (internale Attribution von Erfolg), in “typisch männlichen” Tätigkeiten sahen die jedoch Glück als ursächlich (externale Attribution von Erfolg).

Kausalattribution in Unternehmen

Jim Collins und sein Forschungsteam haben in ihrem Buch “Good to Great” (2001, S. 35) ihre Ergebnisse aus fünf Jahren Untersuchung der erfolgreichsten Unternehmen veröffentlicht. Es stellte sich heraus, dass die weibliche Tendenz zum Umgang mit Erfolg und Misserfolg eine erfolgreiche Strategie für Unternehmen ist. Alle “Great Companies” – mit klarem Unterschied zu den “Good Companies” – hatten “Level 5 Leader”. Diese Führungspersönlichkeiten hoben sich von anderen ab, weil sie Erfolg mit Glück oder der Arbeit ihres Teams begründeten. Die Verantwortung für Misserfolg sahen sie hingegen bei sich selbst, nahmen sich Konsequenzen zu Herzen und lernten daraus.


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Quellen: 1. Bischof-Köhler „Von Natur aus anders“ 2006, S. 250

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2. Happy Jona hat jetzt am Anfang mehr Kapazität für den Ausbau des Sortiments, weil Lagerung und Lieferung entfällt.

Danke für Dein Verständnis!

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