Die parentale Investition

Zusammenfassung:
– „Parentale Investition“ bezeichnet den Aufwand pro Einzelnachkomme
– Weibchen haben bei der Mehrzahl an Spezies die höhere parentale Investition
– Damit einher gehen zwei verschiedene Fortpflanzungsstrategien:
– Qualitative Strategie: Die eigenen Ressourcen werden auf wenige Nachkommen verteilt
– Quantitative Strategie: Die eigenen Ressourcen werden genutzt, um möglichst viele Nachkommen zu erzeugen

Themenüberblick:
Von Wasser auf Land
Asymmetrische parentale Investition
Qualitative versus quantitative Fortpflanzungsstrategie
Parentale Investition erklärt sie alle

Von Wasser auf Land

Vor ungefähr einer halben Milliarde Jahren zog es unsere Vorfahren vom Leben im Wasser ans Land. Im Wasser konnte der Laich einfach abgelegt werden und brauchte nur jemanden, der manchmal sauerstoffhaltiges Wasser zufächelte oder den Laich beschützte. Da das Männchen zuletzt am Gelege zu tun hatte, übernahm es diese Aufgaben. 

Da beim Menschen inaktive Restposten von Eidottergene entdeckt worden, vermuten Wissenschaftler, dass unsere Vorfahren neu an Land bis vor hundert Millionen Jahren Eier legten. Milchproduktion diente ursprünglich nur der Befeuchtung der Eier und stellte sich erst später als hervorragende zusätzliche Nahrungsquelle für die Nachkommen heraus. Sie ist vermutlich der Grund, warum das Ei abgelöst werden konnte1.

Asymmetrische parentale Investition

Die sogenannte parentale Investition bezeichnet den Aufwand, den ein Elternteil für die Produktion eines einzelnen Nachkommen – im Vergleich zu potenziellen weiteren Nachkommen – aufbringt2.

Die innere Befruchtung erzwang eine ungleiche Verteilung des Aufwandes zwischen den Geschlechtern. Man spricht von einer asymmetrischen parentalen Investition. Das Ausmaß der Ungleichheit variiert dabei stark zwischen den Spezies, aber überwiegend tragen die Weibchen die höhere Investition. Beim Menschen besteht grob ein Potenzial von 10 Nachkommen pro Frau und hingegen 1.000 Nachkommen pro Mann. Nun ist die Anzahl von Frauen und Männern allerdings annähernd gleich, sodass gar nicht die Möglichkeit besteht, dass alle Männer ihr Potenzial nutzen könnten.

Eine weitere Frage liegt in der Effizienz der Fortpflanzung. Um das volle Fortpflanzungspotenzial zu minimieren, muss man die Investition pro Einzelnachkommen minimiere. Ein solches Verhalten könnte jedoch eine deutlich geringere Überlebenschance zur Folge haben. Aus evolutorischer Perspektive bedeutet Erfolg nicht nur zu überleben und sich fortzupflanzen. Der Nachwuchs muss auch ausgerüstet sein, eigene Nachkommen zu generieren, die wiederum ausgestattet sind, ebenfalls Nachkommen zu generieren, die …

🙋: “Danke, ich habe das verstanden”

👩‍💼: “Nachkommen generieren, die Nachkommen generieren, die … sorry”

🙋: “Also es geht nicht nur um das Generieren von Nachkommen, sondern um das Generieren von Nachkommen, die vorbereitet sind auf das Leben und den Wettbewerb, sodass das Genmaterial über viele, viele Generationen hinweg weitergegeben werden kann.

👩‍💼: “Huh, das klingt sehr gut! Anders gesagt, es geht um das effiziente Vermehren.”

Qualitative versus quantitative Fortpflanzungsstrategie

Abhängig vom Grad der parentalen Investition unterscheiden sich die qualitative und die quantitative Fortpflanzungsstrategie. Setze ich einfach ganz viele Nachkommen in die Welt und vertraue darauf, dass es ein gewisser Anteil von ihnen machen wird (quantitative Strategie), oder helfe ich der Statistik nach und erhöhe die Überlebens- und somit Fortpflanzungswahrscheinlichkeit meiner Nachkommen, indem ich weniger Nachkommen generiere und mehr Brutpflegeaufwand in das Einzelne stecke (qualitative Strategie). Welche Strategie sich genetisch durchgesetzt hat, unterscheidet sich je Spezie, Lebensumständen und natürlich Geschlecht.

Weibchen unter den Säugetieren sind weniger flexibel in der Wahl ihrer Fortpflanzungsstrategie, da es ohne ihre hohe Investition keinen Nachwuchs geben kann. Somit ist das weibliche Potenzial möglicher Nachkommen vergleichsweise gering. Eine erfolgreichen Brutpflege erhöht die Überlebenschance jedes einzelnen Nachkommen. Die qualitative Strategie hat sich bei vielen Säugetier-Weibchen durch die Milchdrüsen sogar anatomisch manifestiert. 

Männchen in Spezies, bei denen sich die Weibchen sehr gut alleine um die Nachkommen kümmern können, sind gut aufgehoben mit der qualitativen Strategie. Selbst wenn die Männchen mehr Zeit in die Brutpflege investieren würden, könnten sie gar keinen relevanten Mehrwert leisten. Bei Elefanten zum Beispiel können die Weibchen ihre Jungen allein ernähren und verteidigen. Bei Pinguinen leistet das Männchen hingegen einen unerlässlichen Beitrag zur Ernährung der Jungtiere. Nur wenn Weibchen und Männchen gemeinsam für die Nachkommen sorgen, überlebt die Spezie.

Die folgende Tabelle fasst die Verhaltensunterschiede zusammen, die mit geringer und hoher parentaler Investition einhergehen:

hohe parentale Investitiongeringe parentale Investition
Konkurrenzverhaltenkaumhoch
Beitrag Aufzuchthochkaum
Anspruch an Partnerin & Situationhochniedrig
Optische Unterschiede zum Weibchenkaumhoch
Fortpflanzungsstrategiequalitativquantitativ

Parentale Investition erklärt sie alle

Diese asymmetrische parentale Investition der Geschlechter stellt eine wichtige Grundlage dar, um angeborene Geschlechterunterschiede zu erforschen und zu erklären. Diese wollen wir im Folgenden Schritt für Schritt (am liebsten gemeinsam mit Dir) durchgehen!


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Quellen:

  1. Bischof-Köhler 1979
  2. Bischof-Köhler “Von Natur aus anders” 2006

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Danke für Dein Verständnis!