Ist der Mensch monogam?

Zusammenfassung:
– bei beiden Geschlechtern liegen Überbleibsel-Dispositionen einer doppelten Fortpflanzungsstrategie vor
– scheinbar entwickelt sich der Mensch zu einer monogamen, lebenslangen Partnerschaft
– wichtig, mit dem Partner Vorstellungen und Erwartungen zu klären

Themenüberblick:
Ehe in Zahlen
Von Monogamie bis Polygynandrie
Treue wollen und treu sein
Diskussion

“Love can touch us one time
and last for a life time
and never let go till we´re gone”

Céline Dion – My heart will go on

Wirklich Céline?

Warum imponiert uns ein Ideal ewiger Liebe und Verantwortung? Ist der Mensch monogam? Wie passt das zur Statistik, dass jede dritte Ehe bricht? Ist lebenslange Monogamie vielleicht nur eine sozialisierte, romantische Vorstellung und wir müssen noch eine realistische finden? Oder ist das Modell einfach nur nicht das richtige für jeden? Vielleicht müssen wir nur noch ein paar hundert Generationen Evolution abwarten, bis der Mensch passend ausgestattet ist.

Natürlich gegeben ist eine lebenslange Beziehung nicht, denn Leidenschaft kommt mit Ablaufdatum. Unsere Gene sind beispielsweise nicht auf Verhütungsmittel vorbereitet. Wenn eine Frau nach drei bis vier Jahren nicht schwanger wird, nimmt die Anziehungskraft ihres Partners deutlich ab. Aber auch wenn es Kinder gibt, nimmt ihr Interesse an der Beziehung ebenfalls ab, wenn die Kinder ebenfalls nach drei bis vier Jahren gesellschaftsfähig werden1.

Ehe in Zahlen

Zahlen aus Deutschland 2017:

💑 18 Millionen Ehepaare
👰🏼🤵  0,4 Millionen Eheschließungen
🤷‍♀️ 🤷‍♂️ 0,15 Millionen Scheidungen
🗓 15 Jahre durchschnittlich Ehedauer
👨‍👧‍👦 0,4 Millionen alleinerziehende Väter
👩‍👧‍👦 2 Millionen alleinerziehende Mütter

Eine Ehe hält im Schnitt 15 Jahre und die Anzahl an Scheidungen geht seit Jahren zurück2. Die 68-er zelebrierte freie Liebe schaffte es nicht sehr weit. Scheinbar haben Menschen einen tiefen Drang nach einer festen Bindung. Und natürlich sind da noch Kinder und die positiven Auswirkungen einer stabilen Familie. Demgegenüber stehen 2,4 Millionen Alleinerziehende.

Von Monogamie bis Polygynandrie

Monogamie

Von allen vergangenen und gegenwertigen uns bekannten Kulturen weltweit, lebten etwa 17 Prozent in lebenslanger Monogamie.

In der Tierwelt kannst Du übrigens anhand der Ähnlichkeit von Weibchen und Männchen schätzen, welche Arten Monogamie leben. Desto ähnlicher sich Weibchen und Männchen sehen, umso ausgeglichener ist ihr Anteil an der Brutpflege und höher die Wahrscheinlichkeit zur lebenslangen Monogamie. Da Wettbewerb in monogamen Arten kaum eine Rolle spielt, brauchen Männchen keine Fantasieuniform, um Weibchen zu beeindrucken. Bei Wölfen und Schwänen sehen sich Weibchen und Männchen beispielsweise sehr ähnlich und beide Arten leben monogam.

goose checkin in - monogam- Happy Jona

In der Rangordnung von Grauwölfen gibt es ein Alpha-Paar und Schwäne trauern um ihren Lebenspartner/ ihre Lebenspartnerin. Die sogenannte “Tierehe” zeigt, dass die dauernde Fortpflanzungsgemeinschaft nicht alleine durch Sexualität motiviert ist, sondern aufgrund eines Wunsches nach einer auf Vertrautheit basierenden Bindung.

Polygynie

In 83 Prozent der Kulturen herrschte Polygynie, in der ein Mann mit mehreren Frauen lebt. Eine Haremsgemeinschaft ist allerdings die Ausnahme. Überwiegend handelte es sich um Monogamie auf Zeit (ein Mann lebte über verschiedene Lebensabschnitte je mit einer Frau zusammen) und gemäßigte Polygynie (ein Mann mit wenigen und meist dann doch nur mit einer Frau).

Polyandrie

Bei 0,4 Prozent der Kulturen traf man Polyandrie an, in der eine Frau mehrere Männer hat. So war es beispielsweise in Afrika und dem tibetanischen Hochland der Fall. In der Tierwelt sehen wir diese Lebensweise bei Kampfwachteln. Das Weibchen legt Eier in mehrere Nester und die Männchen brüten. Das Weibchen ist prachtfarbiger als Männchen und Initiator der Paarung. Zudem hat es die höhere Menge an Testosteron, welches sie in den Ovarien produziert.

Polygynandrie

Polygynandrie (Gruppenehen zwischen mehreren Männern und Frauen) konnte man in nur einer Gesellschaft (Pahari in Nordindien) nachweisen3.

Treue wollen und treu sein

Treue ist kein vom Menschen erfundenes Bedürfnis. Manche Tierarten liefern deutlich überzeugendere Statistiken als der Mensch. Und obwohl beiden Geschlechtern Treue des Partners/ der Partnerin wichtig ist, tun sich beide schwer, sich selbst daran zu halten.

Warum ist Treue aus Evolutionsperspektive wichtig?

Eine Studie in Deutschland zeigt, dass Frauen sexuelle Treue wichtiger ist als Männern. 88 Prozent der Frauen versus 72 Prozent der Männer gaben an, dass ihnen sexuelle Treue “sehr wichtig” sei4. Dem entgegen steht, dass 30 Prozent untreue Frauen und 56 Prozent untreue Männer ihre Ehen als glücklich bezeichnen. Offen bleibt, wie das die Betrogenen sehen.

Evolutiv ist Untreue für Frauen vor allem dann ein Problem, wenn die Gefahr besteht, dass sie ihren Nachwuchs alleine aufziehen müssen. Sexuelle Untreue ihres Partners kann zu fremdem Nachwuchs führen, der dem eigenen zur Konkurrenz steht. Aber auch Gefühle zu einer anderen Frau kann zur Vernachlässigung der eigenen Familie führen. Für Männer ist sexuelle Untreue evolutiv ein Problem, weil sie gegebenenfalls Nachkommen anderer Männer aufziehen. 

Eine doppelte Strategie zahlte sich für beide Geschlechter aus

Profit für Frauen

Forscher der University of California, Los Angeles (UCLA) konnten zeigen, dass Frauen während ihrer Ovulation sehr maskulin gebaute Männer attraktiver finden. Als Sterberaten noch deutlich höher lagen, waren gesunde, starke Gene sehr wichtig für die Überlebenschancen des Nachwuchses. Frauen profitierten also davon, sich in ihrer fruchtbaren Phase mit starken, gesunden Männern zu paaren. Damit der Nachwuchs zusätzlich eine möglichst gute Betreuung erfuhr, waren hingegen Kriterien wie Fürsorge und Verantwortung bei dem Langzeitpartner wichtig5.

Profit für Männer

Auch Männer konnten von einer doppelten Strategie profitieren. Sie hatten einerseits das Bedürfnis, sich langfristig zu binden und sich an der Kinderbetreuung zu beteiligen. So hatte auch ihr Nachwuchs ideale Voraussetzungen. Wenn sie zusätzlich unverbindliche sexuelle Verbindungen eingingen, konnten sie gegebenenfalls ihre Fortpflanzungseffizienz erhöhen. Der Plan ginge allerdings nur dann auf, wenn die kostenarmen Verbindungen die Langzeitbeziehung nicht beeinträchtigen würden.

Diskussion

Wir sind durch viele Fakten, Zahlen und Befunde gegangen, die auf Anhieb gar nicht auf einen einfachen Nenner zu bringen sind. Zunächst sei gesagt, dass jede Handlung eine bewusste Entscheidung ist und genetische Dispositionen überschreibt. In jeder Beziehung ist es wichtig, die gegenseitige Erwartungshaltung zu besprechen. Wenn dann jemand gegen Absprachen verstößt, war das eine bewusste Entscheidung und sollte als solche behandelt werden.

Die beiden Geschlechter müssen zu jeder Zeit in jeder Spezies, die überlebt hat, Regeln gehabt haben, die für beide Seiten funktionierten. Wenn wir uns die doppelte Strategie anschauen, geht das Konzept nicht auf. Wenn Frauen mit attraktiven Sexualpartnern Kinder zeugen, aber mit fürsorglichen Langzeitpartnern aufziehen möchten, gäbe es nach einigen Generationen keine fürsorglichen Langzeitpartner mehr, da die ihre Gene nicht weitergeben konnten. Genauso kann es nicht sein, dass Männer treue Partnerinnen und gleichzeitig mehrere Geliebte hatten. Wo sollen die Geliebten herkommen, wenn alle Frauen treue Partnerinnen wären? Wenn in einer Population alle Männer eine doppelte Strategie führen, wäre eine logische Konsequenz, dass alle Männer auch fremde Kinder aufziehen würden. In diesem Fall wäre ihre durchschnittliche Kinderanzahl gleich zu treuer Monogamie und ihre Fortpflanzungseffizienz geringer, weil sie nicht alle ihre eigenen Kinder mit aufziehen. Das Konzept muss immer für beide Seiten aufgehen.

Logisch macht lebenslange Monogamie heutzutage Sinn und die Evolution scheint zuzustimmen. Wir haben gelernt, dass optische Ähnlichkeit der Geschlechter mit Monogamie zusammenhängt und beim Menschen beobachten wir eine Angleichung von Frau und Mann im Vergleich zu unseren Ahnen. Vielleicht entwickelt sich der Mensch also in Richtung einer naturgegebenen, lebenslangen Monogamie.


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Anatomie der Geschlechter
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Quellen:

  1. deutschlandfunk.de Abruf 10.07.2019
  2. destatis.de Abruf 10.07.2019
  3. Daly & Wilson, 1983 nach Bischof-Köhler 2006 S. 140
  4. statista.com Abruf 10.07.2019
  5. medicalnewstoday.com Abruf 10.07.2019

Warum der Mindestbestellwert von 100 Euro?

Ab einem Warenkorb dieser Größenordnung verschickt der Großhändler die Ware direkt zu Dir nach Hause

1. Das ist nachhaltig, weil die Ware nicht 2x innerhalb Deutschlands versendet werden muss, sondern direkt vom Großhandel an den Kunden geschickt wird.

2. Happy Jona hat jetzt am Anfang mehr Kapazität für den Ausbau des Sortiments, weil Lagerung und Lieferung entfällt.

Danke für Dein Verständnis!

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