Kooperation und Freundschaft – Tendenzen der Geschlechter

Zusammenfassung:
Mädchen

– Ranggewinn über Geltungshierarchie
– sehr enge Zweierfreundschaften
– Ranghöhe stressig

Jungen
– Ranggewinn eher über Dominanzstrategie
– Rangstrukturen langfristig und konfliktreduzierend
– Freundeskreise eher Zweckcharakter

Themenüberblick:
Rangstrukturen
Freundschaften

Rangstrukturen

Um herauszufinden, ob die Geschlechter unterschiedliche Tendenzen im Bilden und Halten von Kooperationen und Freundschaften haben, schauten sich Forscher zum einen reine Mädchen- und reine Jungengruppen als auch gemischte Gruppen an. Zunächst interessieren uns Rangstrukturen, welche konfliktreduzierend in einer Gruppe wirken. Ranghöchste bekommen Vorrechte und ihren Willen, während sich Rangniedrige unterordnen. Auf diese Weise hält die Gruppe zusammen. Für Jungen spielen Rangstrukturen eine größere Rolle als für Mädchen, da sie sich eindeutiger an hierarchischen Strukturen orientieren. 

Rang unter Jungen

Jungengruppen sind in der Regel etwas größer und bestehen im Schnitt aus 4 – 6 oder mehr Gruppenmitgliedern. Die Rangreihe steht innerhalb weniger Tage nach Zusammenkommen fest und hält oft für viele Jahre, zum Beispiel über die gesamte Schulzeit. Zudem stimmen reine Jungengruppen in ihrer Einschätzung zur Rangreihe weitgehend überein, nur ihren eigenen Rang überschätzen sie tendenziell. Nachdem die Rangordnung gefunden wurde, sinkt die Anzahl an Auseinandersetzungen. Ein Junge bekommt seinen Willen und die anderen nicht, fertig. Die Kooperation der anderen, sich bereitwillig unterzuordnen, ist ein wesentlicher Kern für den Zusammenhalt der Gruppe.

Bereits kleine Jungen haben eine Vorliebe für Raufspiele, welche scheinbar eine Art des ersten Kräftemessens als Übung sind1. Später sind körperliches Händeln, verbale Dispute, Lächerlichmachen sowie Drohen beliebte Mittel, um Ranghöhe einzufordern (siehe egoistischen Dominanz).

Charlsworth & Dzur 1987 (nach Bischof-Köhler 2006) beobachteten in einem Experiment Jungen- und eine Mädchengruppe beim Spielen mit einer Maschine, die für zwei Teilnehmer ausgelegt ist. Während das ranghöchste Mädchen immer in einer der beiden Positionen involviert blieb, ließ der ranghöchste Junge auch mal andere spielen. Zudem blieb die Stimmung im Kreise der Jungen gut. Sie waren nicht böse aufeinander und trugen sich nichts nach.

Rang unter Jungen und Mädchen

Jungen üben auch Mädchen gegenüber Scheinangriffe aus und drohen. Dabei verhalten sie sich jedoch etwas gebremster als anderen Jungen gegenüber. Die Rückzugshaltung von Mädchen ist im jüngsten Alter am ausgeprägtesten. Ältere Mädchen lernen, sich auch brachial zur Wehr zu setzen. In der Frage, warum Mädchen weniger zu körperlichen Auseinandersetzungen neigen, kommt oft das Argument auf, dass sie gegen Jungen verlieren würden. Dagegen sprechen verschiedene Punkte:

  1. Mädchen und Jungen sind bis zur Pubertät gleich stark
  2. in jungem Alter können Mädchen noch keine negativen Erfahrungen gesammelt haben
  3. Mädchen zeigen auch Mädchen gegenüber deutlich weniger Gewaltbereitschaft

Naheliegender ist, dass die motivationale Grundlage von Mädchen anders ist als bei Jungen. Sie interessieren sich weniger für das Messen von Kräften und Rangauseinandersetzungen und mehr für Kommunikation und Beziehung.

Höchstrangige Mädchen entsprachen in der Gruppe etwa mittelrangigen Jungen. Das kam in einer Studie heraus, in der man Ranghöhe anhand von Blicken maß2. Die Ursachen für die Aufmerksamkeit der anderen Kinder beinhalteten Initiative, Talent zum Organisieren, Aggressivität sowie Hilfsbereitschaft. Mädchen punkteten insbesondere beim Organisieren. In Konfliktsituationen gaben Mädchen mit höherer Wahrscheinlichkeit nach und ließen es gar nicht erst zu physischen Auseinandersetzungen kommen. Stattdessen schmollten sie und drohten mit Kontaktabbruch, was häufig die erhoffte beschwichtigende Wirkung auf den Angreifer hatte.

Rang unter Mädchen

Mädchen zeigen weniger Übereinstimmung in der wahrgenommenen Rangstruktur, die ohnehin ständig wechselt. Sie sind aber auch eher in kleinen Gruppen unterwegs – oft nur zu zweit mit ihrer besten Freundin, manchmal zu dritt. Aufgrund der ungefestigten Rangstrukturen diskutieren Mädchen mehr und es kommt öfter zu einer angespannten Stimmung.

Bei Anubispaviane konnte beobachtet werden, dass weibliche Ranghöhe sehr stressig ist. Einige der ranghohen Weibchen bekamen erwartungsgemäß ihr erstes Junges früher als andere Weibchen. Zudem folgten weitere Nachkommen in dichterem Abstand und wiesen eine höhere Überlebensrate auf. Bei anderen ranghohen Weibchen hingegen war das Gegenteil der Fall. Sie waren spät geschlechtsreif, seltener trächtig und erlitten häufiger Fehlgeburten3. Eine mögliche Erklärung ist, dass die mit Ranghöhe einhergehende Konkurrenz bei Weibchen hohen Stress verursacht, der sich wiederum auf die Gesundheit auswirkt. In diesem Fall ist es möglich, dass der Drang nach Ranghöhe bei Weibchen eine erhebliche selektive Gegenwirkung erfahren hat.

Freundschaften

Eine Motivation hinter Freundschaft ist Autonomie und das Ablösen von den Eltern. Da man das noch nicht alleine schafft, sind Gleichaltrige besonders wichtig. In einer Studie wurden Unterschiede in den Tendenzen der Geschlechter gefunden, wie sich Freundschaftskreise zusammensetzen4.

Mädchen haben typischerweise sehr feste, enge Zweier-, manchmal Dreierfreundschaften, in denen man sich alles erzählt und zusammen macht. Diese Freundschaften haben einen sehr exklusiven Charakter (Treue). Mädchen haben fast immer eine beste Freundin, mit der sie bereits im Alter von acht Jahren lange, intime Unterhaltungen über persönlich wichtige Ereignisse in ihrem Leben führt. Im Alter von elf bis 13 stehen gemeinsame Aktivitäten im Vordergrund. Später sind es dann Seelenfreundschaften, in denen man Anteilnahme, Verständnis und Einfühlung gibt und erwartet. Durch den Austausch intimer Details liefern sich die Freundinnen einander aus und tragen eine gewisse Verantwortung und Verpflichtung.

Jungen haben auch Zweierfreundschaften, sind aber viel offener bezüglich der Einbeziehung Dritter oder ähnliche Beziehungen in anderen Kontexten. Eifersucht ist kein Thema. Oft kommen Gruppen bis sieben Mitglieder zusammen. Jungen wissen kaum, worüber sie reden können. Außerdem spielen Einfühlung und Anteilnahme kaum eine Rolle. Es handelt sich eher um Zweckverbände, bei denen es darum geht, etwas zusammen zu erleben und Aufgaben gemeinsam zu bewältigen. Die Freunde neigen dazu, Probleme der anderen herunterzuspielen.

Jungen erwarten Hilfe von ihren Freunden, wenn sie sich in eine missliche Situation gebracht haben. Gleichzeitig haben sie wohl aber viel weniger Verpflichtungsgefühle. Konflikte betreffen Eigentum, Wahl von Freizeitaktivitäten und Konkurrenz um Mädchen. In der Adoleszenz wachsen Bedürfnisse von Intimität und Anteilnahme an seelischen Belangen sowie der Wunsch, sich verstanden zu fühlen. Hierfür reden Jungen aber lieber mit Mädchen als mit anderen Jungen.


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Sicherheitsmanagement

Wir haben gelernt, dass Freunde dafür da sind, sich gemeinsam von den Eltern zu lösen. Wie sieht es denn mit dem Sicherheitsmanagement der Geschlechter aus? Was hat sich durchgesetzt und warum?

Sicherheit

Quellen:

  1. Bischof-Köhler 2006, S. 130
  2. Hold 1977
  3. Packer et al., 1995 Untersuchung Anubispaviane 138 Weibchen nach Bischof-Köhler 2006, S. 134
  4. Omark & Edelmann 1976; Maccoby & Jacklin 1974 nach Bischof-Köhler 2006, S. 312

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Danke für Dein Verständnis!

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