Östrogen und Testosteron

Zusammenfassung:
– die Konzentration von Androgenen ist verantwortlich für die Entwicklung der Genitalien
– Testosteron steht in Zusammenhang mit Durchsetzungsstärke, selbstbewusstem Auftreten & Karriereorientiertheit

Themenüberblick:
Junge?, sonst Mädchen
Testosteron
und sportlicher Wettbewerb
… und Führungspotenzial

“Hormone sind wie Dünger: Klee tut er gut, Orchideen lässt er eingehen”1 

Junge?, sonst Mädchen

In den ersten Wochen nach Befruchtung findet für beide Geschlechter die gleiche Entwicklung statt. Die befruchtete Eizelle hat alles, was sie braucht, einen Jungen oder ein Mädchen entstehen zu lassen. Ausschlaggebend ist ein Gen auf dem Y-Chromosom, das ungefähr in der siebenten Woche beim männlichen Embryo die Entwicklung der Hoden (Keimdrüsen) in Gang setzt.

Der Hoden wiederum stellt dann selbst Androgene sowie eine geringe Menge weiblicher Sexualhormone. Weibliche Embryonen hingegen fangen ungefähr in der achten Woche mit der Ausbildung von Ovarien (Eierstöcken) an, die wiederum Östrogen und Progesteron herstellen, aber auch kleine Mengen von Androgenen. Interessant ist, dass die weitere Differenzierung der inneren Genitalien ausschließlich durch die unterschiedliche Konzentration von Androgen gesteuert wird.

Würde man die Hoden am Anfang kastrieren, fände eine Entwicklung in weibliche Richtung statt. Weil die weitere Entwicklung des Embryos durch Androgene nicht nur gesteuert, sondern umgepolt werden kann, unterscheidet man zwischen dem genetischen und dem gonadalen Geschlecht. Östrogen scheint hingegen keinen Einfluss auf die weitere Entwicklung des weiblichen Individuums zu haben. Vereinfacht gesagt, ein Embryo würde sich immer in die weibliche Richtung entwickeln, außer man gibt Androgene dazu.

Hypophyse (Hormondrüse)

Wir findet die Ausschüttung von Hormonen nun statt und wie wird sie reguliert? In der Hypophyse (Hormondrüse – gesteuert vom Hypothalamus) wird das luteinisierende Hormon (LH), das follikelstimulierende Hormon (FSH) und Prolaktin produziert. Ihre Wirkung hängt davon ab, ob sie auf Hoden oder Ovarien treffen:

Abkürzungen:
luteinisierende Hormon (LH)
follikelstimulierende Hormon (FSH)

Der männliche Regelkreis

Hormone - männlicher Kreislauf - happyjona
Männlicher Kreislauf

Einflussfaktoren sind:

  • Alter
  • Anwesenheit eines gegengeschlechtlichen Individuums
  • andere sexuelle Stimuli
  • Erfolg / Misserfolg

Die weiblichen Regelkreise

Japp, Mehrzahl, da im weiblichen Kreislauf zwei dominante Keimdrüsen miteinander interagieren. Östrogen steht dabei im Zusammenhang mit Paarung und das Gestagen mit Schwangerschaft. Die Periodizität wird sowohl durch den Hypothalamus induziert, als auch durch die vernetzten Regelkreise kontrolliert.

Die Hypophyse schüttet zunächst hauptsächlich FSH aus. Infolgedessen reift ein Follikel in den Ovarien. Sobald ein bestimmtes Verhältnis von LH und FSH überschritten ist, kommt es zum Eisprung. Das Ei verlässt den Follikel, der sich in den sogenannten Gelbkörper umbildet. Dieser produziert dann Progestoron. Im Fall einer ausbleibenden Befruchtung wird die LH Produktion durch das Progestoron gehemmt und der Gelbkörper schrumpft. Dadurch sinkt der Progestoronspiegel. Die Uterusschleimhaut kann nicht erhalten bleiben und wird im Prozess der Menstruation abgestoßen2.

Pubertät

Diese Steuermechanismen sind bereits ab der Geburt vorhanden und funktionsfähig. Allerdings liegen die Werte während der Kindheit bei fast Null. Nur bei Jungen findet die Drosselung des Testosterons erst nach sechs Monaten statt. Vorher liegen ihre Werte bei circa 30 Prozent eines erwachsenen Mannes. Warum das der Fall ist, weiß man nicht.

Kurz vor der Pubertät schlägt die Hormonproduktion dann an und es kommt zu einer Weiterdifferenzierung der äußerlichen Geschlechtsmerkmale. Die Ausschüttung von Östrogen bewirkt die Entwicklung einer breiteren Hüfte sowie eine stärkere Ausbildung von Fettgewebe. Testosteron dagegen fördert das Wachstum von Knochen und die Erhöhung von Muskelmasse. Unter Einfluss der gonadalen Hormone (Östrogen und Testosteron) kommt es zu einem erheblich erhöhten Sexualinteresse vor allem bei Männern, kognitiver Leistung sowie aggressivem als auch assertivem Verhalten2. Es gibt außerdem guten Grund zur Annahme, dass die aktivierende Hormonwirkung in dieser Phase auch ursächlich ist für psychologische Unterschiede.

Jungen liegen in ihrer Entwicklung zwei Jahre hinter den Mädchen. Eine Annahme ist, dass sie sich aufgrund ihrer niedrigeren parentalen Investition mehr Zeit für die Entwicklung ihres Körpers nehmen konnten. Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, haben eine Tendenz, früher geschlechtsreif und sexuell aktiv zu sein. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie eine instabile Beziehung eingehen3.

Testosteron

Testosteron ist das wichtigste der männlichen Geschlechtshormone, der Androgene. Die Zugabe von Androgenen zu verschiedenen Zeitpunkten während der Fötalentwicklung führt zu einer “Vermännlichung” der äußeren und inneren Genitalien und sogar der Verhaltensweisen. Das konnte nicht nur an Ratten gezeigt werden, auch Ergebnisse vom Menschen liegen vor.

Bevor die Nebeneffekte bekannt waren, wurde Müttern bei drohendem Schwangerschaftsabbruch künstliche Gestagene verabreicht. Infolgedessen schlossen betroffene Jungen die Geschlechtsentwicklung früher ab. Zudem zeigten sie eine höhere Bereitschaft für physische Aggression als Geschwisterjungen4. Bei betroffenen Mädchen waren Ovarien und Uterus ausgebildet, die äußeren Genitalien hingegen vermännlicht. Unbehandelt kam es zur weiteren äußerlichen Vermännlichung. Zudem zeigten diese Patientinnen wenig Interesse an Säuglingen, hingegen mehr an ihrer beruflichen Karriere. Sie spielten lieber mit Jungen und “Jungenspielzeug”. Weiterhin kleideten sie sich eher praktisch und weniger attraktiv und hatten eine Vorliebe für physische Wettbewerbssituationen. Alles in allem zeigten sie sich unzufrieden mit der weiblichen Rolle5. Diese Ergebnisse sprechen für einen Zusammenhang zwischen Testosteron und sozialem Interesse sowie physischem Wettbewerb.

Zusammenhänge:

Eine weitere Studie stellte einen ersten Zusammenhang zwischen Testosteron und Angstempfinden bei Jungen her. Sechs- bis 18-monatige Jungen reagierten weniger ängstlich auf furchteinflößende Spielsachen je höher die Konzentration des Hormons in ihrer Nabelschnur war. Ähnlich verhält es sich mit ihrem soziale Interesse und der Menge ihrer Blickkontakt6. Auch bei Mädchen gibt es einen positiven Zusammenhang zwischen dem mütterlichen Testosteron und ihrer Vorliebe für “Jungenspielzeug”7.

Diese Untersuchungen sind interessant und deswegen hier erwähnt. Es wäre voreilig, daraus generelle Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Studien sind sehr speziell und damals wurden noch nicht heutige Standards und Erkenntnisse berücksichtigt. Beispielsweise wurde unter der Verschiebung des Verhaltens eine eindimensionale Skala vorgestellt, auf der man den Schieberegler zwischen männlich und weiblich hin und her bewegt. Stattdessen handelt es sich aber um die verschiedenen Effekte der (De)feminisierung und der (De)maskulinisierung8, welche zwei parallele Schieberegler bedarf; eine Weiblichkeits- und eine Männlichkeitsskala.

… und sportlicher Wettbewerb

Eine Studie mit Rugby-Spielerinnen zeigte, dass das Testosteron-Level bei Frauen vor und während einem Spiel immer steigt. Gewinn oder Verlust hat bei ihnen keinen Einfluss. Bei Männern steigt das Hormon-Level nur, wenn sie ein Spiel oder einen Kampf mit einem ernstzunehmenden Gegner erwarten9. Verlust führt zu einem Abfall des Testosterons. Wenn der Verlierer nicht seine eigene fehlende Kompetenz als Ursache sieht, sondern den Misserfolg äußeren Umständen zuschreibt (» mehr zu Kausalattribution von Erfolg und Misserfolg), wirkt das mindernd auf den hormonellen Abfall.

Der Testosteronanstieg ist laut verschiedenen Studien umso höher, je stärker die Person macht-motiviert ist11. Das Hormon erhöht die Bereitschaft zu riskantem Verhalten, Koordinationsvermögen, kognitive Leistungsfähigkeit, Muskelwachstum, Zuversicht sowie die Konzentrationsfähigkeit. Nicht umsonst werden Androgene im Sport als Doping benutzt.

… und Führungspotenzial

Testosteron hat für beide Geschlechter eine positive Wirkung auf Durchsetzungsstärke, dominantes und selbstbewusstes Auftreten sowie Karriereorientiertheit12.

Schaal et al., 1995 maßen bei Jungen im Alter von 13 Jahren die Konzentration des Hormons und stellten dabei Folgendes fest: Jungen, die als durchsetzungsorientiert und zudem als soziale Führer eingeschätzt wurden, hatten die höchsten Testosteronwerte. Diese Jungen waren nicht die physisch aggressivsten. Durchsetzungsstarke Jungen ohne Führungsrolle zeigten keine Unterschiede zum Durchschnitt. Die aggressivste Jungen hatten die niedrigsten Werte. Daraus ließe sich ableiten, dass Aggressivität ohne Ansehen negativ auf die Hormonproduktion wirkt. Erfolg hingegen scheint unter Jungen eine Voraussetzung zu sein für Rang und höhere Hormonlevel.

Bei Frauen korrelieren Testosteron, Androstendion und Östradiol positiv mit der Anzahl sexueller Beziehungen13 sowie mit der eigenen Selbsteinschätzung zu Ansehen, Führerschaft und Beliebtheit. Dieses Bild entsprach allerdings nicht dem anderer Frauen. Die sprachen nämlich tendenziell Frauen mit einer niedrigeren Hormonkonzentration einen höheren Status zu. Frauen, welche die männliche, direkte Strategie im Rangverhalten an den Tag legten, kamen langfristig nicht gut bei anderen Frauen an. Erfolgreicher waren solche Frauen in weiblichen Gruppen, die eine kompetente Allianzbildung wählten.


» nächstes Thema:

Dominanzstrategien der Geschlechter

Wer hätte gedacht, dass uns das Thema Hormone zu den verschiedenen Dominanzstrategien der Geschlechter führt »

Dominanzstrategien
Dominanzstrategien

Quellen:

  1. Bischof-Köhler 2006, S. 344
  2. Bischof-Köhler 2006, S. 182 – 184
  3. Comings et al., 2002 nach Bischof-Köhler 2006, S. 210
  4. Reinisch, 1981
  5. Bischof-Köhler 2006, S. 190
  6. Jacklin et al. 1983 nach Bischof-Köhler 2006, S. 193
  7. Hines et al., 2002
  8. Bischof-Köhler 2006, S. 184
  9. Mazur & Booth 1998
  10. Bateup et al., 2002
  11. Bischof-Köhler 2006, S. 302
  12. Archer, 2005 nach Bischof-Köhler 2006
  13. Cashdan 1995 nach Bischof-Köhler 2006

Warum der Mindestbestellwert von 100 Euro?

Ab einem Warenkorb dieser Größenordnung verschickt der Großhändler die Ware direkt zu Dir nach Hause

1. Das ist nachhaltig, weil die Ware nicht 2x innerhalb Deutschlands versendet werden muss, sondern direkt vom Großhandel an den Kunden geschickt wird.

2. Happy Jona hat jetzt am Anfang mehr Kapazität für den Ausbau des Sortiments, weil Lagerung und Lieferung entfällt.

Danke für Dein Verständnis!