Empathie und Tendenzen der Geschlechter

Zusammenfassung:
Voraussetzung für Empathie ist Distanz zu sich selbst
– Gefühlsansteckung ist ein Vorreiter von Empathie
– Empathie ist zu 90 Prozent gelernt

Themenüberblick:
Begriff und Voraussetzung
Empathie lernt/lehrt man
Geschlechtsunterschiede oder nicht?

Begriff und Voraussetzung

Empathie bezeichnet das Mitempfinden mit einer anderen Person. Es ist die Fähigkeit, den Fokus des eigenen Handelns auf das Wohlbefinden eines anderen zu richten. Vom Begriff abzugrenzen ist Gefühlsansteckung, bei der eine Emotion einfach übernommen wird. Zum Beispiel ist das der Fall, wenn man lachen muss, weil eine andere Person lacht, ohne zu wissen warum. 

Als Voraussetzung für Empathie muss man in der Lage sein, sich selbst distanziert entgegenzutreten. Dazu sind Kinder ab Mitte des zweiten Lebensjahres in der Lage. Ein Indikator, dass ein Kind die Entwicklungsphase erreich hat, ist, wenn es sich im Spiegel selbst erkennt.

Empathie lernt/lehrt man

Die Cambridge Universität fand heraus, dass nur circa zehn Prozent der Fähigkeit zu Empathie genetisch bedingt sind. Hauptsächlich ist die Fähigkeit für Empathie durch soziale Einflussfaktoren besonders in der Kindheit bestimmt1. Anders gesagt, Empathie lernt man.

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Eltern und Erzieher sind gefragt, Empathie der Kinder zu fördern und nicht verkümmern zu lassen. Förderlich ist es beispielsweise, Kinder anzuregen, über das Empfinden anderer nachzudenken. Wenn ein Kind einem anderen Schaden zufügt, hilft es zu erklären, wie sich das andere Kind fühlt (“Wenn Du das Kind mit dem Ball abwirfst, tut ihm das weh. Weißt Du noch, als Du den Ball abbekommen hast und Dir das wehtat?”). Verbote ohne Begründung oder Floskeln lassen das Lernpotenzial der Situation hingegen verstreichen (“Lass das, das macht man nicht”).

Geschlechtsunterschiede oder nicht?

Ein weiblicher Vorsprung in prosozialem Verhalten gilt als belegt. Evolutiv können wir argumentieren, dass soziales Verhalten eine wesentliche Funktion des weiblichen Geschlechtes war, welches überwiegend die Pflege der Familien übernahm. Kleine Mädchen zeigen deutlich mehr Interesse an sozialem Austausch. Sie schauen bereits als Babys öfter in Richtung von Stimmen und suchen mehr Blickkontakt. Jungen hingegen, brechen Blickkontakt eher ab, sodass die Pflegeperson keine verstärkende Rückmeldung erhält. Gegebenenfalls schnappen Eltern diese Rückmeldungen ihrer Kinder auf und sprechen intensiver mit Mädchen. Damit wäre eine gute Voraussetzung geboten, Mädchen mehr Empathieanstöße zu geben.

Eine Studie von Tania Singer (2006 University College London) warf die Frage auf, ob die Geschlechter sich im Empathiepotenzial unterscheiden. Ein unfairer Spieler hatte sich bei männlichen als auch weiblichen Testpersonen keine Sympathie eingeholt, ein fairer Spieler hingegen schon. Beiden Spielern wurden daraufhin vor den Augen der Testpersonen scheinbar Schmerzen zugefügt. Frauen hatten mit beiden Spielern Mitgefühl, Männer hingegen nur mit dem fairen Spieler. Bei dem unfairen Spieler empfanden Männer hingegen eher Schadenfreude und Genugtuung3. Schadenfreude bedarf der gleichen Fähigkeit wie Mitleid, nämliche das Leid des anderen nachzuempfinden4. Das Potenzial für Empathie scheint sich nach dieser Studie nicht zwischen den Geschlechtern zu unterscheiden, dafür aber der Einsatz.

Als die Frauen und Männer zu ihrer Empathiefähigkeit befragt wurden, sprachen die Ergebnisse eine andere Sprache. Die Befragungen zeigte einen deutlichen Unterschied der Geschlechter, obwohl Tests diese Unterschiede nicht zeigten. Soziale Erwünschtheit und aufgebaute Stereotype spielen hier eine zentrale Rolle. Die Gesellschaft erwartet eine höhere Empathie von Frauen, verpöhnt sie teils bei Männern. Die Geschlechter neigen dazu, sich die erwünschten Eigenschaften zuzuschreiben.

Perspektivenübernahme

Während Empathie mit Emotionen verbunden ist, handelt es sich bei der Perspektivenübernahme um eine rein kognitive Leistung. Sie setzt die Fähigkeit voraus, über Bewusstseinsvorgänge nachzudenken.

In einem Experiment beobachtete ein Forscherteam die Reaktionen von Vorschulkindern auf den Unfall eines anderen Kindes. Mädchen empfanden das Leid mit, waren sehr besorgt und sie wollten das Kind eher trösten und beruhigen. Jungen reagierten nüchterner und ihre Ideen gingen tendenziell in die Richtung, Polizei oder Krankenwagen zu rufen. Die Forscher schlossen aus diesen Ergebnissen, dass Mädchen ein leichtes Übergewicht zu Empathie und ein leichtes Untergewicht in der Perspektivenübernahme zeigten2.


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Moralischer Kompass
Moralischer Kompass

Quellen:

  1. welt.de Abruf 4.7.2019
  2. Hoffmann 1977 nach Bischof-Köhler 2006
  3. deutschlandfunk.de Abruf 4.7.2019
  4. Bischof-Köhler 2006, S. 320

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