Geschlechtsunterschiede in der Aggressivität

Zusammenfassung:
– wir unterscheiden hostile, instrumentelle und assertive Aggressivität
– Mädchen und Jungen unterscheiden sich nicht im Potential, jedoch in der Art ihrer Aggressivität
– Jungen neigen eher zu physischer und assertiver Aggressivität
– Mädchen tendieren eher zu instrumenteller Aggressivität

Themenüberblick:
Arten der Aggressivität
Aggressivität bei Kindern

Als Aggressivität bezeichnen wir die Bereitschaft, aggressives Verhalten gegen Artgenossen auszuüben1.

Nun wollen wir herausfinden, ob sich die Aggressivität zwischen den Geschlechtern unterschiedet und ob diese Unterschiede angeboren sind. Dazu erörtern wir zunächst die drei Arten der Aggressivität. Anschließend schauen wir uns noch an, was wir zu aggressivem Verhalten von Kindern wissen. Ihr Verhalten ist noch am wenigstens durch Lernen überschrieben und lässt besser auf angeborene Neigungen schließen.

Arten der Aggressivität

Hostile Aggressivität

Hostile Aggressivität ist getrieben von der Motivation, jemandem Schaden zuzufügen. Diese Form der Aggressivität tritt ausschließlich beim Menschen auf, da keine andere Spezie die kognitiven Voraussetzungen mitbringt. Für eine absichtsvolle Schädigung muss man ein Gefühl für das subjektive Erleben des anderen aufbringen.

Assertive Aggressivität

Ziel der assertiven Aggressivität ist die Unterwerfung des Gegners. Wir kennen sie vor allem von Männchen, die um die Gunst von Weibchen werben und dabei auf Konkurrenten treffen. Unter assertive Aggression fallen Imponiergehabe wie demonstratives Stärke zeigen, Einschüchtern durch drohen, lärmen, brüllen, großmachen, Muskeln zeigen und sonst alles, was hilft, den Rivalen zum Aufgeben zu bewegen. Auch beim Menschen sieht man die assertive Aggressivität überwiegend im männlichen Geschlecht2.

Instrumentelle Aggressivität

Instrumentelle oder auch reaktive Aggressivität entsteht aus Frustration heraus und tritt in der Welt der Affen vermehrt bei Weibchen auf. So zum Beispiel bei Konflikten bezüglich Nahrungsaufnahme, mit Fremden oder in der Verteidigung ihrer Jungtiere. Aus einem solchen Grund griffen Weibchen auch Männchen an und zeigten erhebliches aggressives Potenzial. Darüberhinaus waren Weibchen weniger durch Beißhemmungen gebremst als Männchen, bei denen es eher um die Show ging. Heftige Kämpfe zwischen Weibchen waren selten, aber Verletzungen vergleichbar zu denen von Männchen3.

Aggressivität bei Kindern

Obwohl die jungen Leben von Kindern noch am wenigsten von ihrer Umwelt geformt wurden, müssen wir bedenken, dass Kinder noch unselbstständig sind und die höchste Abhängigkeit von ihrem Umfeld aufweisen. Somit ist ihr Anreiz umso größer, das Verhalten zu zeigen, welches von ihnen gewünscht wird – bewusst oder unbewusst.

Aggressivität bei Jungen

Wie Beobachtungsstudie zeigen, haben Jungen im Durchschnitt eine geringere Frustrationstoleranz als Mädchen und wegen ihrer Impulsivität sind sie weniger in der Lage, in Ruhe nachzudenken4. Das resultiert in einer höheren Neigung zu physischer Aggression (d=0,74). Bereits im zweiten Lebensjahr sind Jungen so viel aggressiver als Mädchen, wie es die gesamte Kindheit und Pubertät lang bleiben soll (Beobachtungsstudien d=0,53, Peer-Beurteilungen d=0,84)5. Im jungen Erwachsenenalter wird gegen vier mal mehr Jungen ein Strafverfahren wegen Gewalttaten geführt. Im Kindergarten erhalten Jungen drei mal öfter Strafe – und somit auch drei mal öfter Aufmerksamkeit – für aggressives Verhalten. Gleichzeitig besteht in der Aufsicht von Mädchen die Tendenz, Aggression zu ignorieren6. Jungen zeigen schon früh assertives Verhalten und provozieren. Sie wollen rauszufinden, wie weit sie gehen können. Wenn sie keine Grenzen gesetzt bekommen, kann es zur Eskalation kommen7.

Aggressivität bei Mädchen

Mädchen reagieren bereits mit 21 Monaten später auf Konflikte und nehmen sich Zeit zum nachdenken. Außerdem ziehen sie sich in Streits um Objekte tendenziell zurück8. Sie neigen dazu, in solchen Situationen ihre Beziehung zu dem Konfliktpartner in Frage zu stellen. Im Punkt Selbstwert erfahren wir, dass sich Mädchen tendenziell eher über ihre sozialen Beziehungen definieren und Jungen über Leistung. Das würde dazu passen, dass Mädchen im Streitfall eher die Beziehung hinterfragen. Das Androhen eines Beziehungsabbruchs birgt allerdings Gefahr, sich unbeliebt zu machen. Um dies zu vermeiden, braucht es laut Bischof-Köhler ein gewisses Maß an Manipulationsfähigkeit. Beziehungsaggressive Kinder gehören nicht unbedingt zu den beliebtesten, aber durchaus auch zu den einflussreichsten oder statushöchsten.


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Quellen:

  1. wikipedia.org Abruf 21.07.2019
  2. Bischof-Köhler 2006, S. 128
  3. Feingold 1994
  4. Rubble & Martin 1998
  5. Hyde 1984 nach Bischof-Köhler 2006
  6. Hyde & Schuck 1977 nach Bischof-Köhler 2006
  7. Bischof-Köhler 2006, S. 279
  8. Coie & Dodge 1998 nach Bischof-Köhler 2006

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